APROPOs Beiträge zu gesellschaftspoltischen Themen

06.01.2019     (K)ein Land in Sicht …

Mehr als 2000 Flüchtlinge sind 2018 im Mittelmeer ertrunken. Menschen die ihre Heimat verlassen haben, weil Krieg, Gewalt, Vertreibung und bittere Armut ihnen und ihren Familien die existentiellen Lebensgrundlagen entziehen. Umstände, welche die meisten von uns, nicht aus eigener Erfahrung kennen. Auf der Suche nach einem Zufluchtsort, nach der Chance auf ein Leben, gehen viele das Risiko ein, nicht zu überleben. Statistisch sterben Sechs von 100 Flüchtlingen bei der Flucht über das Mittelmehr, in „Booten“ die diesen Namen nicht verdienen. Dieses Risiko gehen Menschen nur ein, wenn die Alternative unerträglich ist. Neulich zitierte ein Bericht den zivilen Seenotretter Claus-Peter Reich: „Am Strand in Libyen steigen die Leute am Ende nicht freiwillig in die Schlauchboote ein“, sagt er. „Die sehen das Meer und bekommen Angst. Zwei oder drei von ihnen werden erschossen, dann gehen die anderen schon rauf.“ (siehe: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5559649&s=Kapitän/)

Während die europäischen Staaten weiterhin nicht in der Lage sind, sich zu einigen, sterben weiterhin Kinder, Frauen und Männer. Das UN-Flüchtlingswerk bringt es auf den Punkt: Solange es keinen sicheren, legalen Ausweg für die Menschen gibt, werden die Schlepper weiter genutzt werden.  Daran wird auch eine Politik der Abschreckung nichts ändern.

„Wir lassen uns nicht erpressen“ hören wir europaweit von Politiker_innen mit ihrer Weigerung, die geretteten knapp 60 Flüchtlinge der beiden Organisationen Seaeye und Seawatch aufzunehmen. Sie machen damit Menschen zu Geiseln, für die das Ausharren auf den Schiffen bei teilweiser schwerer See, vermutlich „nur“ die kleine Spitze von schrecklichen Erlebnissen ist. Konnten die Menschen auf den Schiffen die Feierlichkeiten am 31.12.2018 an Land sehen?  Wie müssen sich die Menschen fühlen, das Land in Sicht und trotzdem nicht willkommen zu sein?  Neapel und Dutzende deutsche Städte haben sich zwischenzeitlich bereit erklärt, die Menschen aufzunehmen, aber noch immer dürfen die Schiffe keinen Hafen anfahren.

In 2018 hat sich die Stimmung auch beim Thema Menschlichkeit weiter verschärft. Während der drohende Tod von Menschen doch eigentlich Hilfe und Engagement geradezu herausfordert, wird die zivile Seenotrettung zunehmend kriminalisiert. Prozesse werden gegen die Kapitäne geführt und ihnen die Unterstützung der Schlepper vorgeworfen. Dadurch entstehen neben den politischen und emotionalen Angriffen gegen die Organisationen und ihre engagierten Männer und Frauen, auch finanzielle Engpässe. Spenden, damit die Arbeit weitergeführt werden kann, sind also jederzeit willkommen.

Es ist ein Armutszeugnis der europäischen Politik, dass bislang keine Lösungen gefunden wurden. Vielleicht würde Europa auch über den Bau einer neuen Mauer nachdenken, wenn es nicht das Mittelmeer hätte.

Ein Veranstaltungstipp zum Thema: Der Verein SyDen www.syden.de hat am 16.02. Gorden Isler zu Gast. Gorden Isler ist Vorstandsmitglied von Sea-Eye und wird uns über die Lage im Mittelmeer und die Lage von Sea-Eye berichten. Gemeinsam wollen wir überlegen, was wir tun können, um der Menschlichkeit wieder mehr Gewicht zu geben.